Unter meinen Füßen


Himmel und Erde. Laub und Matsch. Wasser und Äste. Schotter und Spuren.
Das erdet verlässlich, auch heute.
Im Winter


"Zur Sonnenwende verneigen wir uns vor der Nacht und heißen das Licht willkommen."
Der Satz ist nicht von mir, nur von mir grob übersetzt. Kam mir heute in einem Podcast unter und schwang beim Draußenlaufen noch mit.
Ja, es ist Winter und ja, es ist einen wesentlichen Teil des Tages dunkel. Und gleichzeitig scheint und wärmt die Sonne in den Stunden dazwischen - sogar mit noch eindrucksvollerem Licht und imposanterer Wolkenshow als zu den anderen Jahreszeiten, wie ich finde. Als möchte sie ihre kurze Anwesenheit mit dem Mehr an Pomp kompensieren. Ich bewundere sie auf den zugigen Feldwegen und halte sie als Erinnerung für die dunkle Tageszeit fest.
Willkommen, liebes Licht, ich freue mich, dich ab heute jeden Tag ein bisschen länger hier zu haben.
Ich freu' mich über...

...die leuchtend rote Rose mitten im Dezember, mitten im verwelkten Braun eines Vorgartens meiner Nachbarschaft. Als wollte sie sagen: Halt' durch. Shine on. Es mag kalt und unwirtlich sein, das heißt aber nicht, dass du eingehen musst. Schau mich an, ich bin ein strahlender Knaller mit dem auch keiner rechnet.
Ich freu' mich über den Fakt, dass heute Freitag ist und das Wochenende wie eine rettende Insel vor mir liegt. Ich freu' mich über selbstgemachte Pizza und den richtigen Song zur richtigen Zeit. Über die Wolldecke an meinen Füßen und frische Luft im Gesicht. Über liebe Gesellschaft und redefreie Alleinzeit.
Ich freu' mich besonders über dieses digitale Zuhause, dass langsam möbliert wird, in dem ich es mir beginne bequem zu machen . Und ganz, ganz besonders freu' ich mich, dass sogar Gäste vorbeikommen und sich hier umsehen! Ich freu' mich, wenn sie wiederkommen und wir in Verbindung bleiben, das wäre wundervoll. Hier bleibt auf jeden Fall auch nach den Feiertagen weiterhin geöffnet. Bald gibt's sicher auch'n Postkasten und eine richtige Meldeadresse.
Ich freu' mich drauf.
Sterne

Große Pläne hatte ich heute für einen abendlichen, ganz achtsamen Fotoshoot in der adventlich geschmückten Altstadt meiner neuen Wahlheimat. Denn, wenn es hier zu dieser Jahreszeit etwas zu sehen/bestaunen/fotografieren gibt, dann sind das - ja, richtig- nämlich Sterne. In ungezählten Fenstern, vor Haustüren, an Bäumen und Laternenmasten blinkt und leuchtet es vielfarbig um die Wette. Fiel mir in dieser ersten Vorweihnachtszeit hier besonders deutlich auf. Nach persönlicher Schätzung vielleicht die höchste Pro-Kopf-Dichte an Herrnhuter Sternen im Bundesgebiet. (So viele, dass ich inzwischen sogar ihren speziellen Namen kenne. Vorher noch nie davon gehört.) In einigen Gässchen sicherlich schon mietrechtlich im Vertrag verankert, dass spätestens ab Ende November ein Leuchtstern über'm Eingang hängen muss. Wegen der Idylle, des Glanzes, der Ramontik. Und der Touristen und Neuzugezogenen, die knipsen wollen. Ja, damit kriegen sie sogar mich, die kaum weniger für Weihnachtsschmuck zu begeistern sein könnte.
Deswegen ja auch: Fotos geplant. Kaum setze ich zum bislang trockenen Feierabend den Fuß vor die Tür, setzt allerdings heftigster Regen ein und es schifft den ganzen Abend. Da ist dann auch bei mir schnell Schluss mit Sternstunde, bei aller Liebe.
Und was lerne ich (mal wieder) da draus? Planen und Erwartungshaltungen aufbauen taugt selten was. Lieber den Moment mit all seinen Sternchen so nehmen, statt sie in die Zukunft aufzuschieben. Auf meinem Notizheft sind schließlich auch sehr schöne Exemplare - und die sind trocken, im Warmen und ohne Menschenauflauf zu haben.
In meiner Hand

Ein Schwack kaltes Wasser, dazu ein Klecks Seife. Die warme Tasse Kaffee. Ein Kugelschreiber. Löffel und Messer. Ein Frotteehandtuch, nicht mehr ganz so weich. All die Rillen und Linien, die immer da sind. Ein Apfel. Schlüsselbund und Telefon. Ein andere Hand, die meine hält. Kamera. Wasserflasche. Eine Gabel. Meine Stulle zum Mittag. Münzgeld. Zettel, immer wieder Zettel. Meine Hand, in die andere gelegt. Zwei Hübe Desinfektionsmittel. Stückchen Schoki. Ein Buch, unbedingt. Der hübsche Holzvogel.
Und all die anderen ungezählten Dinge, die ich heute im Automatismus in meinen Fingern hatte, ohne ihnen Aufmerksamkeit zu schenken.
Mal umgedreht

Die gewohnte Blickrichtung zu wechseln, im Alltag mal was umzudrehen und anders zu machen, empfinde ich als echte Herausforderung. Es ist komfortabel in meiner Komfortzone des Gewohnten, deswegen heißt sie ja auch so. Und deswegen bewege ich mich so gern in ihr. Heute habe ich sie in dieser Hinsicht kaum verlassen, die Überschrift des Tages erinnert mich am Abend erst wieder. Was lässt sich heute noch umdrehen?
Mein eigener Blick, der Fokus meiner Kamera. Mal nicht weg von mir, nach draußen. Sondern auf mich gerichtet, eingerahmt. So, dass ich nicht wegsehen kann. So, dass es herausfordernd wird. Denn dann wird's ja eigentlich erst richtig spannend.
Tierische Freu(n)de


Jaja, die Berlin Balcony Birds. Coole Gang von Blau- und Kohlmeisen, die jedes Jahr verlässlich auf unserer Brüstung saßen und pickten, was die Schalen und Knödel so hergaben. Posierten und flatterten, sich um die besten Futterplätze fetzten und dann wieder im Baum auf sicherem Abstand Stellung bezogen. Was ein Spaß. Das war an einem anderen Ort zu einer anderen Zeit. Nun fehlen sie mir und ich frage mich, was die gefiederten Freunde in der großen Stadt wohl so treiben. Andere Balkone auschecken, quietschfidel Capital City unsicher machen und die Nachmieter erfreuen. Ich hoffe's doch. Und suche mir derweil vor Ort mal neue Futterfreunde.
Ganz grün









Ganz grün oder teilbegrünt. Wild gewachsen oder blind zurückgelassen. Immergrün oder immernochgrün. Natürlich grünlich oder doch bloß künstlich.
Ein Farbspaziergang.
Ruhepol

Einatmen. Ausatmen. Einatmen. Etwas länger ausatmen. Bemerken, dass ich das tue. Bemerken, dass ich an was anderes denke. Bemerken, dass die Unruhe kommt. Bemerken, wie sie wieder geht. Nur beobachten, nix tun.
Verlässlicher Ankerplatz, nur sitzen und still sein, egal wie lang. Auch in mobiler Version verfügbar, jederzeit und überall anzuwenden, ohne Kissen und Kram.
Schreibt sich so leicht und fällt mir oft so schwer. Jaja, dranbleiben lohnt sich, ich weiß schon.
Ein Teil von mir

Sie ist ein Teil von mir, nach all den Jahren, die wir nun schon gemeinsam verbringen. Ohne sie fehlt mir was im Gesicht. Ohne sie fühle ich mich unvollständig, etwas verloren, nur eingeschränkt funktionsfähig. Sie schenkt meinem Sichtfeld Kontur und Klarheit (meistens zumindest, saubere Scheiben vorausgesetzt), gibt mir Weitsicht und Fokus. Lässt mich auch außerhalb meiner vier Wände ohne viel Stolpern, Anecken und Irritation verkehren.
Schon groß, was zwei kleine Stückchen Glas umrandet von Acetat mir geben. Dankesehr. Ich hoffe, sie bleibt mir noch etwas erhalten, so schön, wie sie ist.
