Fotografieren fürs Gemüt

Ein Sammelalbum

Leer

Kaum beziehe ich diese neuen digitalen Räume, freue mich an der eigenen Adresse und dem vielen hübschen Platz, geht es mir wie bei richtigen Wohnungsumzügen: Ich steh davor, im leeren Raum, und hab keinen Schimmer, wie ich ihn einrichten soll/will/kann. Ideenlos, unentschlossen, voll mit der Erwartungshaltung, dass das hier aber jetzt auch echt richtig doll werden muss. Und auch voll werden muss. Und dann wiederum fällt mir schon mal gleich gar nichts ein. Dä.

Alles fließt in Kreisläufen - mal mehr, mal weniger üppig. Es wird auch wieder anders, die (scheinbare) Leere wird mit etwas anderem gefüllt. Sie ist auch wichtig, verlangt nach meiner Akzeptanz. Oder sagen wir so: Inzwischen weiß ich, dass Widerstand zwecklos ist. Einfach annehmen, das Sommerloch.

Und schon füllt es sich wieder mit Blumen, mit was denn auch sonst.

Leise

Soviel wozu ich gerade ganz laut NEIN sagen will. Globale Katastrophen, menschliches Unrecht, klimatische Extreme. Brauch' ich euch nicht sagen, es ist allgegenwärtig. Wenn ich damit allein zu Hause sitze, werde ich verrückt. Wenn ich rausgehe und schaue, wie andere damit umgehen, werde ich inspiriert.
Denn Widerstand muss nicht laut und Aktivismus nicht krachend sein, um Kraft zu haben. Craftivism erinnert mich daran. Power to the Stricknadel. Ein leises, buntes JA zu Frieden und Vielfalt, zu Farbe und Schönheit, zu Überraschung und Kreativität im öffentlichen Raum. Ein gar nicht so leises DANKE von mir an die Leute, die ihre Energie und Zeit, ihre Wut und ihre Begeisterung auf diesem Wege rauslassen. Friedlich und freundlich, lebendig und leise. Aber mit umso größerer Wirkung.

Licht

Soviel davon in diesen Tagen.

Was machst du aus all dem Licht?

Fragt mich die Juni-Seite eines Kunstkalenders im Vorbeigehen.
Bilder, am liebsten.
Zum Sammeln und Teilen.
Meine Art des Einweckens für dunklere Zeiten.

Ausgeblüht

Wochenlang guckte ich in ein cremeweißes Blütenmeer, wenn ich nach draußen sah. Konnte verfolgen, wie aus kleinen Knospen üppig blühende Dolden wurden, aus denen Hummeln ihre Schnuten genauso wenig lassen konnten, wie ich. Ein Fest für Augen und Nase, wie berauscht lief ich durch unsere Nachbarschaft, hielt den Kopf aus dem Fenster, um nochmal einen tiefen Zug zu nehmen. Vom Aroma, vom Anblick der Gewöhnlichen Robinie. Für mich persönlich nicht gewöhnlich. Konnte mich nicht satt sehen an ihr, wollte nicht, dass es aufhört, das Blütenfest. Nein, nein, jetzt noch nicht.
Aber - doch, so viel Lebenserfahrung habe ich inzwischen - ich weiß ja, dass jedes Fest mal vorbei ist. Jede Blüte verwelkt, jeder Rausch endet. So ist das. Und (in der Regel) ist das ja auch gut so. Das will ich zugegebenermaßen - Lebenserfahrung hin oder her - nicht immer hören. Aber schließlich ergibt sich dann was Neues, was Anderes. Frische Formen, neue Muster, ein veränderter Zustand. In diesem Sinne: Vorbei der (Muster-)Mai. Yippieh, jetzt ist Juni.
Und? Was sehe ich jetzt? Mal sehen.

Bodenbilder

Blüten und Blätter zwischen Beton und Bodenrinnen. Besonders bildhübsch.

Fassade

Muster können Masken sein. Sie verhängen, was wir nicht zeigen wollen, weil wir denken, es ist nicht gut genug/hübsch genug/sozial akzeptiert/stark/was auch immer wir glauben. Das haben wir lebenslang gelernt, darin sind wir inzwischen Profis und in den meisten Fällen hat uns das auch gute Dienste geleistet. Aber was, wenn wir selber schon nicht mehr richtig sehen, was auf der anderen Seite der Maske ist? Wenn uns die Maske, das Muster schon so vertraut sind, das wir es gar nicht mehr bemerken? Und wenn es dann auch noch anstrengend ist, das immer so vor sich herzutragen, um ja nicht aufzufallen?

Dann lohnt auch hier genaueres Hinschauen. Dahintergucken. Fragen stellen. Abschütteln oder zumindest kurz ablegen, wenn es safe ist. Damit wir wieder klar sehen und klar gesehen werden (von denen, die das verdienen). Wir mögen nicht makellos und fehlerfrei, weder frisch renoviert noch taufrisch sein, aber ist das nicht herrlich? Schließlich vereint uns das alle und macht uns gleichzeitig besonders.
Da wird's doch gerade erst interessant.

Draußen

Drinnen

Wasser

Mal mangelt es, mal ist es im Überfluss vorhanden, manchmal liegen zwischen diesen Zuständen nur wenige Stunden oder ein paar Meter. Es mustert in seiner Abwesenheit und malt in seiner Anwesenheit, hinterlässt Spuren in jeder Form.

Wie sieht das Muster im eigenen Wasserhaushalt aus? Sind wir schon trocken gelaufen oder hervorragend hydriert? Aus welcher Quelle lässt sich gerade schöpfen oder welche Durststrecke gilt es zu überbrücken? Da lässt sich bei einem kühlen Glas H2O doch mal drüber sinnieren. Wohl bekomm's.

Natürlich

Rosafarbene Rundungen des Rhododendron recken sich raus.
Filigrane Farne fangen an sich zu entfalten.
Blasse Buchenblätter bekleiden ganze Baumreihen, breiten sich aus, bilden buschige Dächer.
Puschige Punkte der Pusteblume polstern den Wegrand, fliegend verteilen sich ihre Fallschirme wie in V-Formation.
Eine Schnecke schwenkt ihr schickes spiralförmiges Musterhaus über den Schotter.
Sie alle können dieser Tage gar nicht anders, als richtig aus sich rauszugehen. Machen einfach ihr Ding, folgen schlicht ihrem Muster.

Und wir?
Wo blühen wir auf und entfalten uns? Zeigen, was wir können?

Vielleicht lohnt da genaueres Hinsehen.
Unsere Natur will schließlich auch ausgelebt werden.