Fotografieren fürs Gemüt

Ein Sammelalbum

Flaneuse

Weibliche und soviel weniger gebräuchliche Form des französischen Begriffes "Flaneur". Laut Wikipedia "ein Mensch, der im Spazierengehen schaut, genießt und planlos umherschweift – er flaniert, beziehungsweise er gibt sich der Flanerie hin." Im Kreuzworträtsel auch die passende Antwort zu "Bummler, Müßiggänger". Natürlich spricht man auch hier in erster Linie in der männlichen Form. Zielloses, genussvolles Umherspazieren ist im Tages- und Lebensplan der Mehrheit der Frauen in Geschichte und Gegenwart nicht vorgesehen (gewesen). Schlimm genug.

Einfach gehen, schauen, inspiriert werden, entspannen, mit der Welt in Verbindung treten. Schritt für Schritt die Füße auf dem Boden spüren, die Gedanken an den Wind abgeben, einatmen, ausatmen. Stehenbleiben, in der Sonne pausieren, auf's Wasser gucken. Der Passantin zulächeln. Weitergehen. Mehr nicht. Und sei es für ein paar Augenblicke. So simpel, so rebellisch in seiner Ignoranz gegenüber zielorientierter Produktivität und allgegenwärtiger Konsumkultur. Nein, ich möchte nirgends hin. Ich spaziere nur. Weil's mir Spaß macht. Und bin mir bewusst, dass das keine Selbstverständlichkeit, sondern Privileg meiner Lebenssituation ist. Damit wiederum praktisch meine Pflicht, mich der Flanerie hinzugeben, um auch andere mitzunehmen, abzuholen. Stell ich mir schön vor, wenn wir alle einfach mehr mit uns selbst spazierengingen. Absichtslos, genussvoll. Mehr nicht.

Nein, heute kein Foto. Zu produktiv für's Flanieren. Ein andermal wieder.