Fotografieren fürs Gemüt

Ein Sammelalbum

Freiraum

Zwischen Hauswänden, Industrieanlagen und Bahngleisen - eine Oase.
Eine riesige Fläche, auf der alles wachsen und blühen darf, wie es will, üppig und wild wuchernd, so dass es Asphaltflecken aus alten Tagen bunt überzieht. Kleine Trampelpfade ziehen sich zwischen hohem Gras hindurch, unter alten Kastanien her und an ausladenden Kugeldisteln vorbei. Blaue Inseln von Natternkopf werden summend von Bienen angeflogen, Schmetterlinge setzen sich auf die noch freien gelben und rosa Blüten nebenan, Heuschrecken rasseln ihren Soundtrack dazu. Im Baumschatten eine geordnete kleine Runde von Platikstühlen neben einem Grill, Fußspuren und Hundepfoten im getrockneten Matsch, eine etwas verlebte Sitzgelegenheit auf der Wiese - Zeichen dafür, dass sie gern gesellig genutzt wird. Aber dabei auch respektiert und gepflegt, wie mir scheint. Diese Brache. Sie ist besonders, man weiß, was man an ihr hat. Denn rar ist dieser Raum, wo alles einfach so sein darf, wie es ist.

Was ich nicht weiß: wie lange wir sie noch haben. Denn auch wenn sie noch so aussieht, als gehöre sie sich selbst, besitzt sie doch ein anderer, der den großen Wohnungsbau auf ihr plant. (Benötigter und bezahlbarer) Wohnraum ist wichtig, ohne Frage - wildes Leben in meinen Augen aber nicht weniger. Wie kann beides zusammen gehen? Ich weiß, es wird ein Drama, sie als betonierte Baustelle zu sehen.

Doch der Gedanke an später lenkt ab vom Schönen + Guten, was sie jetzt noch ist.
Das Grüne und Gewachsene, was sie jetzt bietet und großzügig an alle verschenkt, die sie hier aufsuchen. Damit sie Mut und Motivation sammeln, all die Wildheit zu schützen, die noch nicht verloren ist.